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Praktiker-Tag Gesunder See - viele Fische

Am 8. Februar 2026 fand an der Ranch ein Praktiker-Tag nach dem Motto Gesunder See - viele Fische statt.

Die Veranstaltung wurde von Viola Lechle, Hochschule Bremen (HSB), Öffentlichkeitsarbeit im HSB-Projekt "AngelGewässer", Projektassistenz) moderiert. Die Referenten aus Bremen gaben Einblicke in ihre jahrelange Forschung.

Die rund 120 Teilnehmer kamen von ganz Baden-Württemberg zusammen um zu lernen, wie man aus seinen meist strukturlosen Vereinsbaggerseen die ökologische Strukturvielfalt, die Biodiversität und nicht zuletzt die Fischbestände verbessern kann.

Prof. Dr. Thomas Klefoth (HSB) und Andreas Maday (Fischereibiologe Anglerverband Niedersachsen e. V.) haben anschaulich die Ziele des Projekts "AngelGewässer" erklärt und auch gleich Lösungswege gezeigt, um mit überschaubarem Aufwand und ein paar kleinen bürokratischen Hürden aus seinem Gewässer ein „Hechthotel“ zu machen..Dipl.-Biol. Ingo Kramer (LFV BW e. V.) brachte zudem seine Erfahrungen aus Baden-Württemberg in die Diskussion ein.

Im Praxisteil hat uns Maik Ulrich (Masterstudent im Internationalen Studiengang Technische und Angewandte Biologie (ISTAB) der HSB und selbst passionierter Angler :o) zusammen mit Isabel Tanzberger (wissenschaftliche Mitarbeiterin im transdisziplinären Projekt "WeserLachs", ebenfalls geleitet von Prof. Dr. Thomas Klefoth) gezeigt, wie ein Totholzbündel geschnürt und ausgebracht werden kann.

In der Mittagspause wurden alle Teilnehmer meisterhaft von Marc Fritz mit einem leckeren Mittagessen versorgt.

Im zweiten Teil wurde intensiv diskutiert, wie die vorgestellten Inhalte am eigenen Baggersee umgesetzt werden können. Alle Beteiligten waren sehr interessiert. Die Veranstaltung war äußerst informativ und ein voller Erfolg.

 

Wer mehr von den Studien und deren Ergebnis erfahren möchte, kann sich unter folgendem Link informieren

www.gewaesser-macher.de

 

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Wer ist Prof. Dr. Thomas Klefoth?

Prof. Dr. Thomas Klefoth ist Fischereibiologe, Professor für Ökologie und Naturschutz an der Hochschule Bremen (HSB) und arbeitet zu Gewässerökologie, Limnologie und nachhaltigem Gewässer- und Fischereimanagement. Er war Teil des Forschungsteams im Projekt BAGGERSEE um Projektleiter Robert Arlinghaus, Fischereiprofessor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und an der Humboldt Universität zu Berlin. Klefoth hat das Projekt BAGGERSEE zusammen mit Prof. Arlinghaus initiiert und als damaliger Fischereibiologe des Anglerverbands Niedersachsen e.V. (AVN) die Umsetzungsmaßnahmen koordiniert. Klefoth leitet unter anderem das jetzige Projekt „AngelGewässer“, das aktuell die Praktiker-Tage ausrichtet und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird.

Hintergrund: Baggerseen als Forschungsobjekt

Baggerseen sind künstlich entstandene Gewässer, die z. B. durch Kies- oder Sandabbau entstanden sind. Sie sind in Europa sehr häufig, aber ökologisch oft weniger vielfältig als natürliche Seen, da sie z. B. steile Ufer und wenig natürliche Strukturen haben.

 

Das Projekt BAGGERSEE

Was wurde untersucht?

In einem groß angelegten Ganzseeexperiment (2016–2022) untersuchte Klefoth als Teil des interdisziplinären Teams um Prof. Arlinghaus zusammen mit anderen Wissenschaftlern und in enger Zusammenarbeit mit Dutzenden von Angelvereinen im Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN), wie sich verschiedene Bewirtschaftungsmaßnahmen auf die ökologische Qualität von Baggerseen auswirken.

Dabei wurden 20 unterschiedliche Baggerseen in Niedersachsen über mehrere Jahre hinweg behandelt und beobachtet:

  • Einige Seen erhielten ökologische Aufwertungen wie Flachwasserzonen und / oder tote Holzstrukturen.
  • Andere Seen wurden mit Fischen besetzt (klassischer Fischbesatz).
  • Kontrollseen blieben unverändert, um die Wirkung der Maßnahmen vergleichen zu können.

 

Wesentliche Ergebnisse

Lebensraum-Struktur wirkt besser als bloßer Fischbesatz

Die Studien zeigten, dass Maßnahmen wie das Anlegen von Flachwasserzonen oder das Einbringen von Totholz die Lebensräume in Baggerseen deutlich verbessern – mit positiven Effekten für:

  • die Fischbestände (z. B. mehr Jungfische, höhere Dichte)
  • die Biodiversität (deutlich mehr Libellenlarven, mehr Wasserpflanzen-Bewuchs und -Vielfalt)
  • die ökologische Strukturvielfalt des Sees

Im Gegensatz dazu zeigte der reine Fischbesatz ohne Strukturverbesserung keinen Effekt auf eine Bestandssteigerung – Populationssteigerungen blieben bei Besatz aus.

Weitere wissenschaftliche Arbeiten im Projektverbund

Neben dem Ganzseeexperiment entstanden mehrere Fachpublikationen, an denen Klefoth beteiligt war:

1. Fischgemeinschaften kleiner Seen

Diese Studie analysierte, wie Seeentstehung und fischereiliche Bewirtschaftung die Artenzusammensetzung beeinflussen.
➡ Sie zeigt, dass bewirtschaftete Baggerseen ähnlich viele Fischarten wie natürliche Seen entwickeln, während unbewirtschaftete Baggerseen deutlich artenärmer und variabler sind.

2. Habitatdeterminanten im Litoralbereich

In einer weiteren Publikation wurde untersucht, wie Uferhabitate und Umweltfaktoren die Fischverteilung im flachen Uferbereich prägen.
➡ Ergebnis: Strukturreiche Ufer (Vegetation, Holz, Flachwasser) fördern Fischdichte und Artenvielfalt stärker als nur die traditionellen Umweltvariablen.

3. Mikrohabitatnutzung durch Fische

Diese Arbeit zeigt, dass tote Holzstrukturen im Uferbereich von Fischen intensiv genutzt werden und in manchen Fällen sogar fehlende natürliche Makrophyten ersetzen können.

 

Praxisbezug: Projekt AngelGewässer / „Gewässer-Macher“

Auf Basis der Ergebnisse des Forschungs- und Umsetzungsprojekts BAGGERSEE läuft bis April 2026 das Umsetzungs- und Vermittlungs-Projekt "AngelGewässer" bzw. Gewässer-Macher (http://gewaesser-macher.de), das den wissenschaftlichen Erkenntnissen praktische Anwendungen für Angelvereine und Gewässerbewirtschafter bereitstellt.

Sie bietet u. a.:
✅ Hintergrundwissen zur ökologischen Aufwertung von Baggerseen
✅ Praxis-Tipps und Beispiele, wie Maßnahmen umgesetzt werden können
Tools und Ressourcen (z. B. Formulare, Antragshilfen, Workshop-Termine)
✅ Zugang zu Praxisveranstaltungen wie den Praktiker-Tagen „Gesunder See – viele Fische“
✅ Förderung von Biodiversität und nachhaltigem Gewässermanagement

Diese Veranstaltungen erklären konkret, wie Maßnahmen wie Totholz-Bündel oder Flachwasserzonen geplant und umgesetzt werden – basierend auf der Arbeit des Forschungsteams des Vorgänger-Projekts BAGGERSEE und auf Klefoths eigenen Arbeiten.

 

Was zeigt Klefoths Forschung?

Strukturverbesserungen in Baggerseen wirken nachhaltig positiv – ökologisch und für Fischbestände.
Traditioneller Fischbesatz allein reicht nicht aus, um ökologische Qualität zu fördern.
Zusammenarbeit von Wissenschaft, Angelvereinen und Praxisakteuren ist zentral für erfolgreichen Gewässerschutz.
✅ Die Forschung liefert klare Leitlinien für ein ökosystembasiertes, nachhaltiges Management künstlicher Seen.

  

 

 

 

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